00:00:10: Burnout oder Depression?
00:00:12: Wo liegt der Unterschied?
00:00:14: Kennt ihr das?
00:00:15: Jemand in dem Bekanntenkreis sagt, sei im Burn-Out.
00:00:18: Alle nicken verständnisvoll klingen nach Erschöpfung und zu viel Arbeit nach einem Leben, das kurz aus dem Takt geraten ist.
00:00:24: aber dann fragt man nach was man hört.
00:00:26: klingt nach etwas ganz anders keine Energie mehr für irgendwas Nicht nur für die Arbeit, sondern auch fürs Private oder Hobbys.
00:00:36: Morgens liegen bleiben, nicht mehr genießen können und das Gefühl dass alles keinen Sinn hat.
00:00:44: Das ist kein Burnout, das ist eine Depression!
00:00:48: Und der Unterschied ist nicht akademisch, er entscheidet darüber wie man hilft.
00:00:53: Ich bin jens helmig, dass sie es Psychologie entdecken und genau in dieser Unterscheidung nehmen wir heute auseinander.
00:00:59: Was Burnout wirklich ist was Depression wirklich ist wo die Grenzen verlaufen wo sie verschwimmen und warum es so viele Menschen leichter finden das eine zu sagen als das andere.
00:01:10: fangen wir mit Burn out an und fangen mir mit einer unbequem Wahrheit an.
00:01:15: Burn Out ist keine eigenständige psychische Diagnose.
00:01:20: In der ICD-C, findet ihr Burnout unter Z-七-seitig-null Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung?
00:01:28: Das ist eine sogenannte Z-Diagnose.
00:01:30: Keine Erkrankungsdiagnose sondern eine Art Zusatzcode könnte man sagen.
00:01:34: Der beschreibt unter welchen Bedingungen jemand in Behandlung kommt.
00:01:37: Eine ICD Elf hat sich das geringfügig verändert.
00:01:41: Der Burnout erhält dort den Code QE-Fünfzig und wird als Occupational Phenomenon als arbeitsbezogenes Phänomen detaillierter beschrieben.
00:01:50: Aber es bleibt ausdrücklich keine psychische Störung.
00:01:54: Das heißt nicht, dass der Burnout nicht real wäre.
00:01:56: Das heisst nicht das Menschen die davon sprechen übertreiben oder sich etwas einbilden.
00:02:00: Das ist Burnout beschreibt einen Zustand und keine Erkrankung, ein Prozess, keine Diagnose.
00:02:06: Herbert Freudenberger ist amerikanischer Psychoanalytiker hat den Begriff in den neunzehnt siebziger Jahren geprägt wenn er dabei vor allen Dingen so an helfende Berufe gedacht Das heißt Menschen die sich für andere wirklich verbrennen und aufopfern, die so viel geben bis nichts mehr da ist.
00:02:22: Und das Bild ist dann irgendwie auch ganz treffend ein Feuer was zu hell gebrannt hat und jetzt erloschen is.
00:02:27: Burn out!
00:02:28: Später haben verschiedene Modelle versucht den Burnout-Prozess zu strukturieren.
00:02:32: Das bekannteste ist das zwölf Phasenmodell von Freudenberger & Richardson.
00:02:36: Das beginnt mit dem Zwang, sich beweisen zu müssen übermäßiger Ehrgeiz der Drang alles selber zu machen.
00:02:42: Keine Hilfe anzunehmen und dann so über mehrere Zwischenstufen von Nachlässigung eigener Bedürfnisse sozialer Rückzug in ihre Lehre bis schließlich zur vollständigen Erschöpfung.
00:02:54: Das Modell ist nicht so ganz trennscharf und das ist auch nicht für alle gültig, könnte man sagen.
00:03:00: Aber es zeigt was wichtiges der Burnout entwickelt sich.
00:03:05: Der ist nicht einfach da von jetzt auf gleich.
00:03:07: Es ist kein plötzlicher Zusammenbruch sondern eigentlich ein relativ langer Weg sogar den man aber eigentlich eben Rückblick erst erkennt.
00:03:16: So was kennt's in den Burnouts im Kern?
00:03:18: Drei Dimensionen werden in der Sozialpsychologie unter anderem von Christina Maslas zugeschrieben Und das ist so in der Forschung recht einflussreich.
00:03:27: Das heißt emotionale Erschöpfung, das Gefühl völlig ausgebrannt zu sein die sogenannte Depersonalisation.
00:03:34: So eine Art zynisch distanzierte Haltung gegenüber anderen und besonders gegenüber Klienten oder Kollegen auch.
00:03:44: Also das heißt man verlässt so ein bisschen seine aus seinen Angestammten des Wertekorsett oder nach Korsett ist vielleicht negativ seine angestammte Wertehaltung.
00:03:55: Deswegen dieses Distanzierte.
00:03:57: In dem gewissen Sinne ist man dann nicht mehr dieselbe Person, die man bis dahin war.
00:04:01: oder als drittes reduziertes Kompetenzerleben.
00:04:04: Man hat das Gefühl nichts mehr zu leisten auch wenn man es objektiv noch tut.
00:04:09: und hier beginnt so die wichtige Abgrenzung.
00:04:12: Bernard ist in seiner Kernsymptomatik Arbeits- und Rollen bezogen.
00:04:16: Jemand ist erschöpfzönisch ineffektiv aber im Privatleben funktioniert durchaus noch vieles.
00:04:22: Das ist jetzt keine Kleinigkeit, das kann diagnostisch sehr entscheidend sein.
00:04:25: Also genau diese Trennung sozusagen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, und der unterschiedlichen Wirksamkeit könnte man auch sagen in den beiden Bereichen.
00:04:33: Mittwoch zur Depression kommen und das lasst mich jetzt mal kurz einordnen weil ich finde es geht oft zu schnell.
00:04:39: also eine depressive Episode F- Thirty im ICD ten in der ICD elf unter sechs als siebzig ist eine psychische Erkrankung mit klar definierten Kriterien Die Hauptsyntome gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Antriebslosigkeit.
00:04:54: Mindestens zwei davon müssen für mindestens zwei Wochen vorliegen und dann kommen Zusatzsymptome.
00:04:59: Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Schuldgefühle, veränderter Appetit und auch durchaus manchmal Gedanken an den Tod.
00:05:06: Das heißt erhöhte Suizidalität.
00:05:08: Der entscheidende Unterschied zum Burnout ist eigentlich dass die Depression wirklich alle Lebensbereiche betrifft nicht nur die Arbeit und nicht nur greift das gesamte Erleben an.
00:05:22: Ja, depressiv ist kann nicht mehr die Dinge genießen, die im Vorher etwas bedeutet haben.
00:05:26: Das nennt man Anhedonie.
00:05:28: Ist so der Fachausdruck.
00:05:29: Das Interesse erlischt nicht nur für den Job sondern auch für alle!
00:05:32: Für Freunde, für Hobbys, für Momente, die früher Freunde gemacht haben... ...für die Partner also sozusagen für alles was ja was uns so umtreibt.
00:05:43: Und da muss man auch ganz ehrlich sein, wenn jemand zu mir kommt und sagt er sei ein Burnout und ich höre im Gespräch dass er seit Wochen nicht mehr schlafen kann das ja kein Hunger mehr hat, dass er sich wertlos fühlt.
00:05:51: Dass er nicht mehr sieht wozu das alles gut sein soll dann ist es auch kein Burn-Out, sondern dann ist das eine Depression und die braucht einen anderen Rahmen.
00:06:00: Yankee und Kollegen haben in der großen Meteranalyse über vierzehn Stichproben veröffentlicht in Clinical Psychological Science untersucht ob Burnout und Depression überhaupt getrennte Konzepte sind.
00:06:12: Das Ergebnis war nonsiert, es gibt eben Überlappungen besonders bei der emotionalen Erschöpfungsdimension sozusagen des Burnouts.
00:06:22: aber es gibt auch einen eigenständigen Kern.
00:06:24: Der Burnout in die Depression ist nicht dasselbe aber sie können ineinander gleiten oder sich begleiten im negativen Sinne und das ist das Problem.
00:06:33: Was passiert, wenn Burnout unbehandelt bleibt?
00:06:37: Die chronische Erschöpfung der soziale Rückzucht das Gefühl des Versagens.
00:06:40: Das sind Risikofaktoren für eine Depression.
00:06:43: Burn out kann eine Depression begünstigen manchmal sogar auslösen.
00:06:47: die Grenze ist eben fließend und das genau der Grund warum die Differenzialdiagnostik hier so wichtig ist.
00:06:54: Erwähren möchte ich noch die Anpassungsstörung.
00:06:56: Das ist F-A-B-Dreinfortzig zwei im ICD-Zehn, das ist wenn man so weh die mittlere Kategorie eine emotionale Reaktion auf einen Un-, ja oder beispielsweise auf ein identifizierbarer Stressor eigentlich Jobverlust, Trennung über Forderung am Arbeitsplatz aber eben ein Stressor der über das normale Maß hinausgeht.
00:07:17: Aber die Kriterien an einer vollständigen depressiven Episode werden noch nicht erfüllt.
00:07:22: Viele Burnout-Zustände, die in therapeutischen Behandlungen kommen langen korrekt unter F-Dreiundvierzig zwei.
00:07:26: Das ist jetzt keine Etikettierung, sondern eine Orientierung, die eben auch therapeutische Konsequenzen hat.
00:07:32: Ich würde jetzt ganz klein darüber sprechen was mir in der Praxis aufgefallen ist und zwar bezüglich der Sprache der Benennung und warum es einen Unterschied macht ob jemand sagt ich habe Burn out oder ich bin depressiv?
00:07:45: Burn Out klingt aktiv könnte man sagen, es klingt nach jemandem der zu viel gegeben hat.
00:07:53: Nach Einsatz und Leistung nach einem Menschen, der sich verausgabt hat für etwas das wert war.
00:07:58: Das ist in unserer Gesellschaft fast ein Ehrenzeichen geworden.
00:08:01: ich war so engagiert dass ich ausgebrannt bin.
00:08:05: Depression klingt ganz anders, das klingt eigentlich nach dem Gegenteil könnte man sagen.
00:08:10: Nach Schwäche, nach einem Defekt, nach etwas was man eigentlich lieber für sich behält.
00:08:15: Das Stigma ist real auch wenn es kleiner geworden ist und viele Menschen die eigentlich in einer Depression leiden schreiben sich dann ein Burnout zu nicht weil sie lügen sondern weil dass sich irgendwie stimmiger anfühlt akzeptabler und vielleicht auch ein bisschen weniger bedrohlich.
00:08:33: Das ist menschlich absolut verständlich Und es ist therapeutisch ein Problem, denn wenn ich eine Depression als Burnout behandle – also mit Erholungspausen, Stressreduktion, Lifestyleveränderungen.
00:08:43: Dann helfe ich vielleicht ein bisschen aber ich treffe nicht den Kern.
00:08:47: Eine Depression braucht andere Maßnahmen Psychotherapie Teilweise ja auch medikamentöse Unterstützung und manchmal stationäre Behandlung je nach schwere Grad des depressiven Erlebens Und ich hab das in der Praxis irgendwie auch immer wieder gesehen.
00:09:03: Jemand kommt nach Monaten zurück und sagt, er habe alles probiert, Urlaub genommen die Arbeitssturren reduziert sich mehr holt und es wird einfach nicht besser.
00:09:11: Dann ist das auf dem Moment in dem klar wird, dass war keine Erschöpfung die Pause braucht sondern eine Erkrankung die Behandlung braucht.
00:09:18: So wie unterscheide ich das in dieser Praxis?
00:09:20: Ein paar Leitfragen die ich für ganz nützlich halte kann man zum Beispiel stellen.
00:09:24: also erstens so betrifft dieses Gefühl der Erschöpfung alle Lebensbereiche oder vor allen Dingen eben den beruflichen.
00:09:32: Wenn jemand nach Feierabend auflebt, sich am Wochenende erholt und am Montag wieder zusammenbricht dann spricht das eher für einen Burnout.
00:09:39: Wenn ihr Schöpfungen immer und überall da ist auch im Urlauch, auch im Kreis der Familie, dann spricht es eher für eine Depression.
00:09:46: Zweitens wie ist die Stimmungsqualität?
00:09:50: Burnouts Betroffene sind oft gereizt zynisch zum Teil leer.
00:09:55: depressive Menschen beschreiben häufig eher so etwas wie eine besondere Art von Traurigkeit, die sich auch von normalem Traurigsein eigentlich unterscheidet.
00:10:05: Also sie sich so schwerer anfühlt, anders anfühle.
00:10:08: Wie so ne Glasscheibe zwischen sich und dem Leben.
00:10:11: So wird man das manchmal beschrieben.
00:10:14: Und Ritten, sondern das ist vielleicht das Wichtigste gibt es an Hedonie.
00:10:19: Das heißt die Unfähigkeit Freude zu empfinden für Dinge, die früher Freude gemacht haben.
00:10:25: Das liegt vor, weil das ist eigentlich ein Kernsymptom der Depression und kein typisches Burnout-Symptom.
00:10:33: Therapeutisch bedeutet es, dass beim Burn out im engeren Sinne sind Ressourcenaktivierung, Stressreduktion, Grenzen setzen oder eine Änderung der Arbeitsweise ganz zentral.
00:10:43: Bei der Depression braucht es zusätzlich die klinischen Interventionen, strukturierte Verhaltensaktivierungen zum Beispiel, kognitive Umstrukturierung Also kognitive Umstrukturung von negativen Denkmöglichkeiten, so müsste man sagen.
00:10:57: Und manchmal eben auch eine psychiatrische Mitbehandlung.
00:11:00: und in beiden Fällen gilt warten lässt es nicht besser werden.
00:11:06: Was wir an diesem Thema am meisten beschäftigt ist nicht so sehr die Diagnostik, sondern das ist irgendwie handwerklich lösbar.
00:11:13: Was mich eigentlich beschäftigt, ist die Frage dahinter.
00:11:15: Warum so viele Menschen so lange warten bevor sie Hilfe suchen?
00:11:18: Warum es leichter ist ich bin erschöpft zu sagen als ich brauche Hilfe.
00:11:23: Warum wir Leistung, die zur Erschöpfung fühlt, irgendwie würdiger finden als das ehrliche Eingeständnis dass es einem nicht gut geht.
00:11:31: Matthias Burisch hat in seinem Buch das Burnout-Syndrom sehr klar beschrieben, was am Ende des Burnoutprozesses steht.
00:11:38: Nicht nur Körper und Geist sind am Limit, sondern eine grundlegende Frage an sich selbst – wofür das alles?
00:11:44: Was ist mir eigentlich
00:11:45: wichtig?!
00:11:46: Diese Fragen brauchen keinen Zusammenbruch als Anlass.
00:11:52: Man kann sie auch stellen bevor es so weit kommt!
00:11:56: Burnout und Depression, das ist eines der Themen, dass wir in der Praxis am häufigsten begegnet würde ich sagen.
00:12:02: Für alle die gerade auf die HPP Prüfung hinarbeiten wer Fragen hat zur Differenzialdiagnostik zu dem was das Gesundheitsamt wirklich abfragt zu konkreten Prüfungsthemen schreibt mir unter infoatonlineakademiehp.de.
00:12:14: Ich melde mich.
00:12:15: Bleibt neugierig und passt auf euch auf!
00:12:18: Euer Jens.