Psychologie entdecken

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Transkript

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00:00:10: Psychologie entdecken, Angst verstehen von normaler Sorge bis hin zur Angststörung.

00:00:17: Jemand saß vor einigen Wochen bei mir in der Praxis.

00:00:19: wir nennen den jetzt mal Thomas.

00:00:20: Thomas ist Mitte dreißig kam eigentlich wegen seiner Arbeitssituation aber im Laufe des Gesprächs erzählte er mir fast nebenbei dass er keine U-Bahn mehr fährt Seit einem halben Jahr schon nicht und angefangen hatte das mit so einer Art Attacke, wie er sagt in einem vollen Waggon.

00:00:37: Herzrasenschwindel, das Gefühl jeden Moment ohnmächtig werden zu können.

00:00:41: Und er hat dann den Zug verlassen, war nach Hause gelaufen und seit her also seit knapp sechs Monaten vermeidet er alles was sich ähnlich anfühlen könnte wie diese U-Bahnfahrt.

00:00:54: Zuerst waren es auch nur U-bahn Dann kam Busse dazu und irgendwann auch so volle Supermarktgänge.

00:01:01: Ich bin Jens Helmig, Therapeut-Heilpraktiker für Psychotherapie und seit ein paar Jahren auch Ausbilder für angehende HPPs.

00:01:08: Willkommen bei Psychologie entdecken!

00:01:10: Und Thomas Geschichte ist der Grund warum ich diese Folge über Angst machen wollte nicht um Angst zu pathologisieren sondern um zu zeigen wo sie anfängt was sie endet was sie antreibt und warum der Umgang damit so entscheidend ist.

00:01:23: fangen wir mit etwas an das oft verwischt wird dem Unterschied zwischen Angst und Furcht.

00:01:29: Furcht, könnte man sagen ist konkret.

00:01:32: Du siehst eine Schlange du siehst ein Auto das auf dich zukommt dann körper reagiert sofort mit Herzrasen Adrenalin wird ausgeschüttet es gibt so einen fluchtimpuls möglicherweise.

00:01:42: Das ist einfach biologie.

00:01:44: dass ist sinnvoll.

00:01:46: das hat die menschheit letzten endes über die letzten millionen jahre am leben erhalten.

00:01:50: Angst im Gegensatz zu feucht ist hingegen diffuser.

00:01:54: man fühlt sich bedroht aber weiß eigentlich nicht ganz genau wovon.

00:02:00: Etwas könnte schief gehen, etwas könnte passieren.

00:02:02: das Gehirn antizipiert gewissermaßen die Gefahr die noch nicht da ist oder auch die vielleicht auch nie kommen wird.

00:02:09: Beides ist normal beides gehört zum menschlichen erleben.

00:02:12: Die Frage ist wann wird daraus so etwas wie eine angst störung?

00:02:18: In der ICD-Zehn findet die Angststörung unter den Kodierungen F-Fürzig und Einenfürzig.

00:02:24: Und die Kriterien für eine Diagnose sind im Kern drei.

00:02:27: Die Angst ist unverhältnismäßig stark im Verhältnis zur realen Gefahr, sie tritt häufig oder dauerhaft auf und sie schränkt den Alltag massiv ein.

00:02:36: Wer aus Angst vor Panikattacken nicht mehr die Wohnung verlässt, wer einen Job wechsel ablehnt Kundenkontakte zum Beispiel fürchtet, wer den Arzt maldet obwohl er dringend mal hin sollte.

00:02:46: Das ist keine Übervorsicht mehr das ist dann schon eine Erkrankung.

00:02:50: Jetzt mein kurzer Überblick über die wichtigsten Formen denn Angststörung ist nicht gleich Angststörungen und dass es für die Prüfung wie aber auch für die Praxis relevant.

00:02:59: Es gibt die phobischen Störungen.

00:03:00: die sind unter F-Fier Null oder F-fortzig eingetragen.

00:03:04: Das sind Angstreaktionen auf spezifische Objekte.

00:03:08: Ja, also wir hatten schon genannt.

00:03:11: Spinnen, Höhe, Blut, enge Räume oder auch soziale Situationen zum Beispiel die Angst sich zu blamieren oder negativ bewertet zu werden von anderen Menschen so im Mittelpunkt zu stehen.

00:03:23: das ist eine soziale Phobie.

00:03:25: Die hat den Kurt f-fortzig eins.

00:03:27: So typische Gedanken die das begleiten sind dann zb.

00:03:31: alle starren mich an ich werde mich lächerlich machen die merken dass ich nervös bin und Die Folge ist dann die Vermeidung von solchen Situationen.

00:03:41: Der Job wird abgelehnt, weil er Vorträge erfordert zum Beispiel das Telefonat wird aufgeschoben bis es nicht mehr möglich ist.

00:03:48: so der ganze Handlungsspielraum wird Schritt für Schritt kleiner.

00:04:07: drohlich.

00:04:08: Aber dann kam Herzrasen, Atemnot, Schwindel das Gefühl jeden Moment zu kollabieren oder den Verstand zu verlieren.

00:04:15: Das türkische an der Panikstörung ist nicht die Attacke selbst Die ist natürlich auch nicht schön um Gottes Willen aber es ist die Angst vor der Angst könnte man sagen Man weiß nicht wann sie kommt oder wenn sie wieder kommt nachdem man sie einmal erlebt hat und so beginnt man alle Situationen zu vermeiden in denen Sie kommen könnte.

00:04:34: Was übrig bleibt, ist auch hier ein immer enger werdender Lebensrahmen könnte man sagen.

00:04:39: Und schließlich und endlich gibt es noch eine weitere Formen das sind die generalisierte Angststörungen unter F- onevierzig Punkt eins in der ECD elf, die ja mittlerweile gilt er unter sechs B zero null.

00:04:53: Die generalisierte Angststörung ist schwerer zu greifen, weil sie kein klares Objekt hat.

00:04:58: Eine anhaltende, schwer kontrollierbare Sorge um viele Lebensbereiche.

00:05:03: Ist das so?

00:05:04: Gesundheit, Familie, Finanz in die Zukunft... Das ist dann nicht nur ein gelegentlicher Gedanke sondern das ist eine Art Grundrauschen, dass nie so ganz aufhört So, was im Körper passiert und warum eine Ausschlussdiagnostik nicht optimal ist.

00:05:20: Also jemand kommt zum Beispiel mit Herzrasen, mit Schwitzen, Zitternatem, Notschwindel dem Gefühl ohnmächtig zu werden oder einen Herzinfarkt zu erleiden.

00:05:29: Das kann eine Panikattacke sein.

00:05:31: Es kann aber auch die Schildrüse sein oder ein Phenochromozytom, das ist ein Tumor der Stresshormone ausschüttet und ähnliche Symptome produziert wie eine Panika-Tacke oder eine Herzrhythmusstörung.

00:05:42: auch Deshalb ist die Ausschlussdiagnostik jetzt nicht nur so eine Formalität sondern dies wirklich zwingend!

00:05:48: Das ist ganz wichtig.

00:05:49: bevor man also eine Paniksstörung diagnostiziert müssen körperliche Ursachen zunächst ausgeschlossen werden.

00:05:55: Das ist keine Theorie, das war Prüfungsthema in der HPP-Prüfung im Oktober.

00:06:01: zwanzigzwanzig war das Gruppe A Frage Dreiundzwanziger.

00:06:04: die ging so dahin eine Patientin mit depressiven Episoden kommt mit Herzrasen und Schweißausbrüchen.

00:06:09: kann man die Vorstellung beim Hausarzt überspringen?

00:06:12: Und die Antwort ist nein, niemals.

00:06:14: Das ist eine der klarsten Antworten in diesem ganzen Berufsfeld und da wird es jetzt auch interessant denn das versteht nicht jeder Intuität.

00:06:22: warum soll jemand der offensichtlich Angst hat zum Arzt gehen?

00:06:25: Weil Symptome keine Diagnosen sind.

00:06:27: Herzrasen ist ein Symptom was bedeutet muss abgeklärt werden.

00:06:31: Als HPP ist man keine ärztliche Fachkraft, bitte bedenkt das immer.

00:06:35: und genau deshalb ist die Kooperation mit dem Hausarzt kein Zeichen von Unsicherheit oder mangeln der Professionalität.

00:06:41: Sondern es ist eben genau das Gegenteil.

00:06:43: Es ist professionelle Verantwortung.

00:06:46: Können wir zum Zäufelskreis?

00:06:47: Der ist einfach zu beschreiben aber schwer zu durchbrechen!

00:06:50: Thomas, wir haben immer noch unseren Thomas als Beispiel steigt aus der U-Bahn weil er Herzrasen bekommt.

00:06:55: Der fühlt sich sofort besser.

00:06:56: sein Gehirn registriert.

00:06:58: Vermeidung hat ja funktioniert die Angst ist ja weg.

00:07:02: das wird gespeichert wenn man so will.

00:07:04: beim nächsten Mal ist die Hemmschwelle zur vermeidung geringer und die angst vor der Situation wird größer.

00:07:08: Das nennt sich negative Verstärkung.

00:07:10: dass vermeidungsverhalten wird praktisch belohnen wenn man sowohl kurzfristig Aber langfristig schrumpft der Lebensraum, weil sozusagen die Entscheidungsmöglichkeiten weniger werden.

00:07:21: Und das ist das Paradoxe!

00:07:23: Der Versuch Angst zu bekämpfen indem man ihr ausweicht, ist der sicherste Weg sie zu verstärken.

00:07:28: Das Gehirn lernt nicht dass die Situation ungefährlich ist sondern es lernt dass die Flucht die richtige Reaktion war.

00:07:34: Die Frage, die ich am häufigsten höre ist was hilft gegen Angst.

00:07:39: Und die ehrliche Antwort ist es hängt davon ab was genau vorliegt.

00:07:42: aber es gibt einen Kern der bei den meisten Angststörungen funktioniert und das ist das was man Exposition nennt's Prinzip ist so einfach, wie es in der Umsetzung anspruchsvoll ist.

00:07:52: Man geht schrittweise begleitet strukturiert in die Situation, die Angst auslösen und man bleibt nicht bis es angenehm ist sondern bis die Angst von selbst nachlässt.

00:08:03: das nennt man habituation.

00:08:05: Das Nervensystem lernt.

00:08:06: ich habe das überlebt Es war nicht so schlimm wie befürchtet.

00:08:09: beim nächsten Mal ist die Angst ein wenig kleiner.

00:08:12: Praktisch sieht das so aus.

00:08:14: Mit dem Klienten wird eine Angsthierarchie erstellt, eine Liste von Situationen sortiert, so nach dem Ausmaß der Angst könnte man sagen ganz unten etwas dass nur leicht unangenehm ist und ganz oben die Situation vor der man so gedanklich am meisten zurückschreckt.

00:08:28: und dann arbeitet man sich sozusagen einen Stufenleiter hoch langsam aber konsequent.

00:08:33: Thomas zum Beispiel kam nach drei Monaten Therapie wieder zu arbeiten nicht weil er die Angst verschwunden war sondern weil er gelernt hatte dass er sie aushalten kann.

00:08:41: Bei der sozialen Phobie, die hat man eben auch angesprochen.

00:08:44: Also der Vermeidung von Gesellschaft oder auch so der Vermeydung des öffentlichen Raumes in dem sich ja üblicherweise andere Menschen befinden kommt eine kognitive Umstrukturierung könnte man sagen dazu Die Arbeit mit den Gedanken.

00:08:57: stimmt es wirklich dass alle hinschauen also sprich mich anschauen.

00:09:01: und selbst wenn was würde das denn bedeuten?

00:09:05: Wie würden andere diese Situation tatsächlich wahrnehmen?

00:09:08: Und oft zeigt sich dann, dass was die Betroffenen so als total katastrophal erleben ist für andere kaum wahrnehmbar.

00:09:14: Und diese Überprüfung der eigenen Annahmen, das ist kognitive Verhaltenstherapie so in ihrer Kernidee.

00:09:20: Bandele und Kollegen haben im Jahr hier eine Meter-Analyse veröffentlicht in der International Clinical Psychopharmacology Band XXIV und haben über hundert Einzelstudien sogar ausgewertet und verschiedene Behandlungsansätze bei Angststörungen vergleichen.

00:09:37: Aber das Ergebnis ist dass die kognitive Verhaltenergie mit Exposition die höchste Wirksamkeit hat.

00:09:44: Medikamente können unterstützen, wirken aber nur so lange man sie nimmt.

00:09:47: Psychotherapie verändert eben die Muster langfristiger.

00:09:51: Was ist mit den Internet-Tipps?

00:09:53: Atemtechniken helfen bei akuter Panik, das stimmt und es ist auch gut belegt.

00:09:57: Achtsamkeitsübungen können das allgemeine Anspannungsniveau senken.

00:10:01: Bewegung baut Stresshormonen ab.

00:10:03: Das ist jetzt kein Wundermittel aber das ist eine sinnvolle Unterstützung was nicht hilft und schlimmer noch etwas tatsächlich schadet.

00:10:09: wie wir gesehen hat Ist so ein Satz wie vermeide einfach was Angst macht!

00:10:14: Das führt direkt in den Teufelskreis den oben beschriebenen Und denkt einfach positiv, dass Angststörungen sind echte Erkrankung mit neurobiologischen Grundlagen.

00:10:26: Das ist jetzt keine Einstellungsfrage und natürlich hilft einem das positive Denken vielleicht tatsächlich ein wenig durchs Leben aber eben nicht unbedingt bei Angststörung zumindest nicht ausschließlich müsste man sagen.

00:10:38: Und noch so eine Bemerkung zu dem Gedanken den ich so ganz schön finde wenn die Angst eine Person wäre die vor meiner Tür steht dann würde ich sie herein bitten und nicht um ihr Macht zu geben, sondern umzuhören was sie sagen will.

00:10:53: Angst ist fast immer ein Signal.

00:10:55: Die Frage ist nur ein Signal worauf?

00:10:58: Worauf bezieht sich das?

00:10:59: Manchmal tatsächlich auf echte Gefahr ja sicher manchmal aber auch so auf alte Muster.

00:11:05: Und manchmal darf dass man zu lange zu viel getragen hat vielleicht und das herauszufinden.

00:11:10: Das is eigentlich die therapeutische Arbeit.

00:11:14: So fassen wir mal zusammen Angst ist behandelbar.

00:11:18: Das ist der wichtigste Satz dieser Folge, nicht Angst ist überwindbar als ob sie danach weg wäre sondern man kann lernen mit ihr umzugehen.

00:11:26: Man kann den Teufelskreis durchbrechen und wieder in Situationen gehen aus denen man sich zurückgezogen hat.

00:11:31: Thomas fährt wie der U-Bahn nicht jeden Tag ohne Anspannung aber er fährt Buchtet.

00:11:38: für alle, die tiefer in das Thema einsteigen wollen.

00:11:41: Bau in Bandelow – das Angstbuch, woher ängst du kommen und wie man sie bekämpfen kann?

00:11:45: Bandelowo ist einer der renommiertesten Angstforscher im deutschsprachigen Raum.

00:11:48: Das Buch erklärt verständlich ohne zu vereinfachen.

00:11:51: Für betroffene Angehörige und auch angehende Therapeuten ist es sehr geeignet!

00:11:56: Angst verstehen, das war die Note.

00:11:58: Für alle, die gerade auf die HPP-Prüfung hinarbeiten und wer sich fragt wie Differenzialdiagnostik bei Angststörungen abgefragt wird was das Gesundheitsamt zu Panikstürkendexpositionen wirklich prüft oder wie man konkrete Fälle einfordert.

00:12:10: schreibt mir einfach unter info at onlineakademiehp.de.

00:12:15: ich melde mich bleibt neugierig und bis dahin euer Jens.

Über diesen Podcast

Hier findet ihr Infos und Hintergrundwissen rund um das Thema „Psychologie“ im Allgemeinen und um die Vorbereitung zur Prüfung Heilpraktiker Psychotherapie (kleiner Heilpraktiker) vor dem Gesundheitsamt.

von und mit Jens Helmig

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