00:00:11: Hallo, herzlich willkommen zu Psychologie entdecken.
00:00:14: Mein Name ist Jens Helmich und ich bin Therapeut Heilpraktiker für Psychotherapie und Gründer der Online-Akademie HPP.
00:00:22: Heute geht es um ein Thema das ich für wirklich eines man könnte sagen gezentralsten Themen überhaupt halte und zwar das Thema Lebensziele entlang der Fragen, was will ich eigentlich?
00:00:36: Wofür lohnt es sich morgens aufzustehen.
00:00:39: Was?
00:00:39: jeder stellt sich diese Fragen irgendwann und trotzdem wenn man wirklich nachfragt kommt da oft nichts oder wenig ne oder zumindest nichts klares in die nächsten Minuten versuche ein bisschen lichter rein zu bringen psychologisch fundiert aber hoffentlich nicht zu trocken.
00:00:54: fangen wir an.
00:00:56: Zunächst einmal eine Unterscheidung, die die Psychologie grundsätzlich macht und die zunächst mal auch wichtig für unseren Zusammenhang hier ist.
00:01:03: Es gibt sagen wir mal zwei Arten von Zielen, extrinsisch-und intrinsisch motivierte.
00:01:10: Extrinsische Ziele das sind Ziele oder Interessen auch die von außen kommen, wenn man so will.
00:01:18: Geld, Anerkennung, Status.
00:01:22: Man verfolgt sie, weil man sich davon irgendeine Belohnungen erhofft oder weil andere das ebenso machen oder auch ein... Weil andere einem das vorleben sein ist hier zu den Eltern oder die Mitschüler oder die Kollegen oder wie auch immer.
00:01:37: Ich will Karriere machen, damit ich ein tolles Auto fahren kann.
00:01:40: Das ist zum Beispiel so ein typisches extrinsisches Ziel.
00:01:44: Intrinsische Ziele hingegen die kommen von innen das heißt aus uns selber heraus.
00:01:50: man verfolgt sie weil sie einem wirklich wichtig sind weil sie den eigenen Werten entsprechen könnte man auch sagen weil man sich dabei lebendig fühlt also zb anderen Menschen helfen zu wollen oder etwas kreativ kreatives zu schaffen, also etwas oder kreativ zu sein vielleicht auch.
00:02:10: Und zu dem Thema gibt es auch eine ganze Menge Forschung unter anderem von Edward Dacey und Richard Ryan.
00:02:15: die haben eine sogenannte Selbstbestimmungstheorie aufgestellt und auch sehr schön ausgearbeitet.
00:02:22: das Ergebnis dieser Studie sagen wir mal der Theorie ist eigentlich wenig überraschend aber trotzdem ganz interessant.
00:02:30: Menschen, die primär extrinsische Ziele verfolgen.
00:02:33: Also Geld rum, Äußerlichkeiten sagen wir mal sind statistisch gesehen anfälliger für Depressionen Angststörigen und ein niedrigeres Selbstwertgefühl.
00:02:43: Das Hamsterrad dreht sich eben immer weiter.
00:02:45: Ein Ziel sagen wir Mal Jagd das nächste Aber es bleibt leer Und Es fühlt sich bei Lichte betrachtet sozusagen auch so an.
00:02:56: Das heißt jetzt nicht, dass extrinsische Ziele schlecht sind.
00:02:59: So ist das jetzt nicht gemeint.
00:03:01: Es ist vollkommen normal und menschlich solche Ziele auch zu haben.
00:03:05: Nicht zuletzt werden uns als Kind dann ja Ziele vorgegeben die wir zunächst sagen wir mal in ihrem Wert gar nicht nachfühlen können oder nachvollziehen können, sagen wir einmal den Mathematikunterricht in der Schule Und in Mathematik jetzt gut abzuschneiden, es könnte man auch sagen zunächst mal ein extrinsisches Ziel.
00:03:22: Es sei denn, es weicht irgendwann einem echten Interesse unter einer Faszination für die Mathematika dann wird aus dem extrinsischen etwas intrinsisches.
00:03:31: Das kann ja auch passieren!
00:03:33: Es geht also am Ende des Tages eigentlich um die Balance.
00:03:37: Problematisch ist es wenn die äußeren Ziele die inneren praktisch überdüngen oder verdrängen.
00:03:42: das ist eigentlich eher der Punkt.
00:03:46: Jetzt wird es, sagen wir mal klinisch etwas relevanter und das ist für mich als Therapeut eigentlich der faszinierendste Zusammenhang überhaupt.
00:03:55: Der ICD-X, das ist das internationale Klassifikationswerk psychischer Erkrankungen, ist der Verlust von Interessen und Zielen ein Kernmerkmal depressiver Episoden.
00:04:04: Das skuliert unter F- Thirty oder F-Thirty, wer das nachschlagen möchte.
00:04:09: Das heißt, wer depressiv ist verliert buchstäblich den Zugang zu dem was ihm wichtig war und isst.
00:04:15: Alles fühlt sich sinnlos an die Freude fehlt man weiß nicht mehr wofür man weiter macht warum man morgens aufstehen sollte.
00:04:24: das interessante ist dass geht in beide richtungen.
00:04:27: depression nimmt die ziele einerseits weg und fehlende ziele vertiefen die depression auch gewissermaßen.
00:04:34: es ist also ein teufelskreis der dadurch entsteht.
00:04:37: Deswegen, und das ist meiner Meinung nach wirklich wirksam, gehört in der Therapie die Frage dass den Lebenszielen fast immer dazu.
00:04:44: Aber man fängt nicht an mit Finde deinen großen Lebenssinn oder sowas.
00:04:50: Das wäre hoffnungslos überfordert für jemanden der gerade damit kämpft morgens überhaupt noch ins Bett zu kommen.
00:04:56: Man fängt ganz klein an.
00:04:57: Man sagt so heute steht man auf, man zieht sich Schön an, man geht einmal um den Block eine kleine erreichbare Ziele.
00:05:06: Die erzeugen wiederum kleine Erfolgserlebnisse und das Belohnungssystem was wir eben fest verdrahtet haben sozusagen aktiviert sich wieder und dann wächst es Schritt für Schritt.
00:05:16: Das nennt man übrigens Verhaltensaktivierung einer der am besten belegten Methoden bei Depression.
00:05:22: Jetzt möchte ich noch über etwas sprechen bzw.
00:05:25: noch etwas anfügen, das für mich sehr wichtig ist und zwar die Auseinandersetzung mit dem Werk des Psychiators und KZ-Überlebenden Viktor Frankel.
00:05:36: Viktor Frankl ist der Begründer der Logotherapie und in der Logotherapie gibt es ein Konzept, dass sich Neogene Depression beziehungsweise auch existenzielles Vakuum nennt Und ich glaube, das ist eine der treffendeste Beschreibungen für etwas was sehr viele Menschen kennen auch wenn sie es vielleicht nicht so benennen würden.
00:05:55: Man funktioniert so im Alltag meine ledigzeiten Aufgaben auch durchaus gut.
00:06:00: darum geht's gar nicht.
00:06:01: man ist nicht unglücklich in engeren Sinne aber man fühlt sich irgendwie leer.
00:06:09: Das erwischt einen auch hin und wieder mal oder auch wieder öfter, man ist gewissermaßen orientierungslos so ein bisschen als würde man wie so ein Stück Holz auf einem Fluss treiben.
00:06:18: das kommt irgendwie vorwärts und wechselt die Richtung aber es schwimmt eben sozusagen nicht selbst sondern wird getrieben Und man muss jetzt auch dazu sagen, dass Frankel diese Theorie also jetzt nicht so im bequemen Lehrstuhl gewissermaßen entwickelt hat.
00:06:37: Sondern tatsächlich der war KZ-Insass in mehreren Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkrieges buchstäblich da beobachten konnte.
00:06:45: Er sagt, der Mensch, der etwas, der einen Wofür hat ein Ziel hat und man könnte auch sagen einen Sinn hat, der kann beinah jedes Leid ertragen.
00:06:56: Das heißt, etwas für das es sich zu kämpfen lohnt trägt uns auch durch die tiefsten Abgründe.
00:07:03: Und ich glaube da liegt auf der Kern der Sache.
00:07:05: Sinn ist nichts was man findet oder was einem präsentiert wird.
00:07:10: Das ist etwas was man gestaltet ja dass das verändert sich auch durchaus im lauf des lebens.
00:07:15: ne Die ziele die man eben mit fünf und zwanzig hat sind andere als die wir mit fünfundvierzig oder fünfundsechzig hat.
00:07:22: Das heißt man muss sich immer wieder neu auf die suche begeben.
00:07:27: Viele denken bei dem Wort Sinn häufig an religiöse Wahrheiten.
00:07:33: Das hat damit aber eigentlich nichts zu tun.
00:07:36: Die Sinn-Ausrichtung, die ein Mensch einnehmen kann und der Sinn nachdem er streben kann – das ist eher so etwas für eine psychologische Grundwahrheit.
00:07:45: Die Religionen operieren da vielleicht auch mit und geben eben bestimmte Sinnangebote vor.
00:07:53: der individuelle Sinn ist eigentlich etwas, was der einzelne Mensch das Individuum eben nur selber finden kann.
00:08:02: Und ich habe selbst eine Ausbildung in Logotherapie gemacht und ich sehe auch bei meiner täglichen Arbeit wie relevant das ist und nicht nur bei Depression oder Burnouts oder bei anderen Lebenskrisen.
00:08:14: Bei Menschen die sich fragen, dass alles, was ich so habe oder erlebe oder was noch auf mich wartet.
00:08:23: Und jetzt würde ich dich mal direkt ansprechen wollen.
00:08:26: Ich gebe mal drei Fragen mit, es geht nicht darum die sofort zu beantworten, so funktioniert das nicht sondern eher zum Weitertragen vielleicht zum nächsten Spaziergang oder Abend wenn man auf der Couch sitzt und wie üblich nichts im Fernsehen kommt.
00:08:41: Die erste Frage ist wann habe ich zuletzt das Gefühl gehabt wirklich lebendig zu sein?
00:08:46: Was hab' ich da gemacht?
00:08:48: Das könnte man sich ja mal stellen.
00:08:51: Zweite Frage ist, wenn Geld Zeit und die Erwartung von anderen Menschen, wenn das alles keine Rolle spielen würde.
00:08:59: Was würde ich dann tun?
00:09:02: Und die dritte Frage was soll von mir bleiben?
00:09:06: nicht so als Denkmal sondern was soll jemand der mich kannte in meinen Lebzeiten irgendwann mal über mich sagen?
00:09:16: diese drei Fragen klingen ganz einfach und manchmal sind sie das auch.
00:09:20: Aber meiner Erfahrung nach, wer sich damit wirklich auseinandersetzt, der ist oft überrascht was da so in ihm aufsteigt und hoch kommt.
00:09:28: Und es kann auch im Rahmen sozusagen der Selbsterkennung auch wichtig sein sich das mal anzuschauen.
00:09:36: So, was nehmen wir mit?
00:09:37: Lebensziele sind kein nettes Bonusfeature des Lebens.
00:09:43: Sondern sie sind nach dem, was wir so aus der Logotherapie und der Existenzanalyse wissen eine echte Notwendigkeit für psychische Gesundheit.
00:09:51: Das heißt wer weiß wofür er lebt, lebt insgesamt resilienter, widerstandsfähiger zufriedener und er führt im wörtlichsten Sinne ein bedeutsameres Leben.
00:10:03: Und Lebensziele, wie gesagt dürfen sich verändern.
00:10:06: Das ist wichtig!
00:10:07: Das müssen sie manchmal sogar.
00:10:09: Ein Kind hat andere Ziele als ein Erwachsen oder als ein älterer Mensch und das ist auch ganz gut so.
00:10:16: So, erzählt doch mal was sind deine Lebenszielle?
00:10:18: Oder hast du eher kleine Ziele die dich im Leben weiterbringen?
00:10:21: ich freue mich über jede Rückmeldung.
00:10:23: schreibt mir per Mail.
00:10:24: Ich lese wirklich jede Nachricht.
00:10:26: Macht es für dieses Mal gut Euer Jens und habt einen sinnvollen Tag.